Der Kompost

"Der Kompost ist das Herz jedes biologischen Gartens."

Fast jeder Garten hat einen bestimmten Platz, wo Ernteabfälle, Rasenschnitt und verwelkte Blumen zusammengetragen werden. Häufig allerdings bleibt dieses Sammelsurium von Abfällen sich selbst überlassen, einfach dahin geworfen, im letzten Gartenwinkel versteckt.

Mit Kompost hat das wenig zu tun. Die Umwandlung organischer Abfälle in wertvolle Komposterde erfordert nämlich eine gezielte Steuerung. Nur, wenn die richtigen Organismen an diesem Prozeß beteiligt sind, entsteht aus den verschiedenen Ausgangsmaterialien ein pflanzenverträgliches, bodenbelebendes Düngemittel.

Rotte statt Fäulnis

Die Natur arbeitet im Kreislauf, Abfall gibt es nicht. Organische Stoffe werden zerkleinert, ihre Strukturen werden aufgebrochen, alles wird umgewandelt mit Hilfe von Mikroorganismen, Pilzen, Bakterien, kleinen Bodentierchen und Regenwürmern.

Dabei ensteht keine Fäulnis, kein unangenehmer Geruch, es kommen keine lästigen Fliegen.

Jedoch: Die Rotte muß gelenkt werden

Es werden benötigt:
  • Wärme
  • Luft
  • Feuchtigkeit.

Fehler:
  1. dichte dunkle speckige Schichten im Innern
  2. Fäulnisgeruch
  3. Zersetzung geht viel zu langsam (länger als 12 Monate)

In den meisten Fällen wurde der Kompost zu fest aufgesetzt, das Material zu wenig durchmischt, so daß kein Sauerstoff den Kompost durchdringen konnte, die Abfälle wurden einfach auf den Haufen geworfen und dieser wurde nicht vor Witterungseinflüssen geschützt.

Schritt für Schritt zum Kompost
  1. Am Anfang steht die Materialsammlung:

    alle organischen Abfälle aus Haus und Garten können dabei wiederverwertet werden:

    Laub, Grasschnitt, Obst- und Gemüseabfälle, verwelkte Blumen, verbrauchte Erde aus Kästen und Kübeln. Heckenschnitt, zerkleinerte Eierschalen, Tee- und Kaffeesatz, Kartoffelschalen usw., in kleinen Mengen auch Inhalt von Staubsaugern, Pappe, Zeitungspapier.

    Nicht gesammelt werden für den Kompost:
    Schalen von Zitrusfrüchten, farbig bedruckte Illustrierten, Chemikalien, Glas, Metall, Kunststoffe.

    Nur begrenzt auf den Kompost gehören:
    Stroh, Sägespäne und Laub.

  2. Gute Durchmischung:

    alle Substanzen gut miteinander vermischen: saftreicher Abfall ergänzt sich dabei hervorragend mit holzigem trockenem Material.

  3. Günstigster Platz für den Komposthaufen:

    lichter Halbschatten
    z. B. Hecken von Holunder oder Haselnußsträuchern, aber auch Sonnenblumen oder Stangenbohnen als Windschutz.

  4. Aufbau eines Komposthaufens:

    ein Komposthaufen wird immer auf einem gut gelockerten Erdboden aufgeschichtet, damit die Bodenlebewesen von dort hinaufsteigen und ihre Arbeit verrichten können.

    • unterste Schicht: möglichst grobes Material (Baum- und Heckenschnitt zerkleinert, Stengel von Stauden usw.)
    • darauf eine 20 cm hohe Schicht mit gemischten Gartenabfällen
    • hauchdünn mit Algenkalk, Steinmehl, Knochenmehl und etwas reifem Kompost als Kompoststarter bestreuen
    • es folgen wieder gemischte Gartenabfälle usw.

    bis der Haufen eine Höhe von etwa 1,50 m hat; nach oben sollte der Haufen trapezförmig zulaufen.
    Zum Schluß erhält er eine luftige warme Abdeckung aus Laub, Stroh, Grasschnitt, Schilfmatten, Säcken.

  5. Phasen vom Aufbau zum Abbau:

    1. Phase: ca. 2 bis 3 Wochen

    sogenannte "Hitzige Phase", denn es entstehen Temperaturen von 50C bis 80C. Durch diese Hitze werden Unkrautsamen abgetötet und Krankheitskeime vernichtet. Wenn jetzt nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist, entsteht Fäulnis.

    2. Phase: bis zu Reife: ca. 8 Monate

    Der Haufen sinkt zusammen, die Temperatur sinkt auf 40C ab, unzählige Mikroorganismen übernehmen die Zersetzung und den anschließenden Aufbau von Humus.

  6. Verwendung von Kompost:

    • halbreifer Mulchkompost nach 2 bis 3 Monaten
      oberflächlich ausbringen, arbeitet noch, braucht daher viel Sauerstoff, sollte niemals direkt mit Wurzeln in Berührung kommen; ist eine phantastische Anregung für das gesamte Bodenleben auf den Gartenbeeten.
       
    • Reifer Kompost nach 9 bis 12 Monaten
      auch er wird oberflächlich ausgebracht, kann aber auch für Saatrillen, Pflanzlöcher und Frühbeetkästen verwendet werden.
       
    • alter Kompost nach mehr als 1 Jahr
      verliert mit der Zeit an Lebendigkeit und an Nährstoffen, d. h., er hat nicht mehr die erwünschte düngende Wirkung und bietet auch keine Anregung mehr für das Bodenleben.
       

  7. Wann wird der Kompost ausgebracht?

    Am besten im Frühjahr oder Herbst, nie jedoch auf kalte oder gefrorene Erde.
    Wird Kompost im Sommer ausgebracht, benötigt er eine Abdeckung (Mulch), damit Feuchtigkeit und Aktivität erhalten bleiben.

  8. Kompost auf kleinem Raum:

    Kleine Gärten werden sich mit Kompostbehältern, die es in verschiedenen Materialien und Ausführungen auf dem Markt gibt, behelfen müssen. Es gelten hier alle Regeln, die für die Kompostmiete aufgestellt wurden:

    • lebendiger Untergrund
       
    • lockeres Aufschichten der verschiedenen Materialien
       
    • Beobachten von Feuchtigkeit und Wärme
       
    • oftmals sind auch speziell zugesetzte Kompostwürmer für die Herstellung von Kompost auf kleinstem Raum sehr hilfreich. Wurmkot ist bester Humus, reich an Stickstoff, Phosphaten, Magnesium, Kalium, usw.

  9. Spezialkomposte

    Mistkompost
    nur aus einwandfreier Tierhaltung
    Schichtweise aufsetzen: zwischen jede Lage Mist Erde, Kompost oder Steinmehl streuen (kein Kalk!).
    Bei sehr strohigem Mist für regelmäßige Feuchtigkeit sorgen; ein Umsetzen nach 3 bis 4 Monaten ist hier günstig.

    Laubkompost
    möglichst gut gemischt von verschiedenen Bäumen. Nußbaum- und Eichenblätter nur in sehr kleinen Mengen, sie verrotten sehr schwer, da sie stark gerbsäurehaltig sind.
    Zwischen die Laubschichten etwa alle 30 cm Kompost, Steinmehl, Kalk und etwas tierischen Dünger streuen.
    Ein Kompostbeschleuniger und ein Umsetzen im Frühjahr sind empfehlenswert.

  10. Fragen rund um den Kompost

    • Darf samentragendes Unkraut auf den Kompost?

      Ja, es sollte in die Mitte des Komposthaufens gebracht werden, da sich dort die größte Hitze entwickelt. Dadurch wird die Keimkraft der Samen zerstört und Wurzelunkräuter zersetzt.
      Bei sehr viel Unkraut ist ein eventuelles Umsetzen nach 2 bis 3 Wochen günstig.
      Generell werden Samen im Kompost durch die Feuchtigkeit zum frühzeitigen Keimen angeregt, sterben aber ab, weil sie keine geeigneten Bedingungen vorfinden. Außerdem entstehen während der Rotte aus dem Zusammenspiel von Bakterien und Pilzen antibiotische Wirkstoffe, die den Keimprozeß hemmen.
       
    • Dürfen kranke Pflanzenteile auf den Kompost?

      Hier gilt dasselbe wie für samentragendes Unkraut, mit folgenden Ausnahmen:
      Kohlstrünke mit Kohlhernie, Obstbaumzweige mit Monilia und Himbeerzweige mit der Himbeerrutenkrankheit sollten verbrannt oder in den Müll gegeben werden.
       
    • Benötigt man eine Kompoststarter aus dem Handel?

      Kompoststarter fördern die Rotte und bringen das Bodenleben schneller in Schwung. Bei einer Umstellung auf naturgemäßen Gartenbau ist eine solche "Spritze" sicher empfehlenswert. Alte Biogärtner impfen ihren eigenen Kompost. Er wirkt im neuen Komposthaufen wie ein Sauerteig.
       
    • Gras und Laub in den Kompost?

      Gras und Laub sollten unbedingt locker mit anderen Abfällen vermischt werden, bevor sie in den Kompost kommen. Zu dick aufgeschichtet, bilden sie nämlich sonst sehr schnell dicke, undurchlässige Lagen und es kann akuter Sauerstoffmangel im Kompost entstehen.
       

  11. Test des Kompostzustandes:

    Die Erde des Komposthaufens sollte die Feuchtigkeit eines ausgedrückten Schwammes haben. Steckt man einen Gerätestiel tief in den Kompost und zieht ihn dann wieder heraus, so sollten sich an ihm keine schmierigen oder schwarzen Erdrückstände befinden.

    Schmierige oder schwarze Erdrückstände sind ein Alarmzeichen: der Kompost enthält speckige Schichten, er sollte noch einmal umgesetzt werden. Dabei sollte man diese leicht fauligen Schichten auseinanderreißen.

    Reifeprobe:

    Man sät Kresse in eine mit feuchter Komposterde gefüllte Schale. Wenn sie gut keimt und nicht gelb wird, ist der Kompost reif.

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